Sonja Klante von „Wertvoll“

Interviewreihe

Sonja Klante von "Wertvoll"

Sonja ist Dipl. Pädagogin, Coach, Bloggerin, Ehefrau und Mama von drei Töchtern (2009 / 2012* / 2013). Sie bloggt seit 2009 über (Self-)Coaching, (Familien-)Leben im Rheinland und Dinge, die das Leben bereichern und verschönern auf ihrem Blog Wertvoll.

​Als Coach begleitet sie Menschen mit Prüfungsangst und in beruflichen Orientierungs- und Umbruchsphasen sowie Familien in Erziehungsfragen. Seit 2015 bietet sie Themen, die ihr am Herzen liegen, als E-Kurse an.

Liebe Sonja, vielen herzlichen Dank, dass Du Teil dieser Interviewreihe bist!

Was bedeutet ein einfach gutes Leben für Dich?

"Ganz aktuell bedeutet ein einfach gutes Leben für mich, mir mit meinem Mann zu überlegen, was uns für die kommende Advents- und Weihnachtszeit wichtig ist. Dann bedeutet es, den Mut zu haben, zu allem anderen „Nein“ zu sagen.

Ein gutes Leben bedeutet für mich, dass ich Zeit habe für die Menschen und Dinge, die ich liebe, die mir wichtig sind und die mir gut tun. Gut ist mein Leben auch, wenn ich meine Fähigkeiten nutzen und Pläne schmieden kann.

Einfach(er) ist mein Leben dann, wenn ich alles, was ich im Leben sonst noch „erledigen muss“ und was unser Leben beschwert, auf ein Minimum reduzieren oder vereinfachen kann. Einfacher ist mein Leben auch dann, wenn ich ganz bei mir bin und weiß, wo meine Prioritäten liegen.

Als Familie ist unser Leben gut, wenn alle mit ihren Bedürfnissen gesehen werden und zu ihrem Recht kommen."


Gibt es ein Vorbild an dem Du Dich orientierst?

"Nein, ich habe nicht das eine Vorbild für mich, an dem ich mich orientiere. Aber mir laufen immer mal wieder Menschen über den Weg, die mich inspirieren und bei denen ich mir die ein oder andere Scheibe abschneide. Das ist zum Beispiel eine Freundin sein, die es prima schafft, im Alltag Zeit für ihre eigenen Hobbys und kleine Auszeiten zu schaffen. Oder eine Bloggerin, die immer wieder darüber schreibt, wie sie ihre wirklich stylische Wohnung (und ihren Kleiderschrank!) fast ausschließlich mit second-hand-Dingen füllt."


Wie erleichterst Du Dir den Alltag?

"Ganz grundsätzlich ist es für mich die größte Erleichterung, wenn wir es schaffen, mit möglichst wenig Ballast „zu reisen“: wenig(er) Kram (der sauber gehalten und aufgeräumt werden will), und wenig(er) Termine (dafür mehr Zeit für Auszeiten und spontane Ideen).

Ganz praktisch sind es viele kleine Tricks, die mir den Alltag erleichtern. Zum Beispiel beim Thema Ordnung:

Um keine großen Aufräum-Aktionen starten zu müssen, nehme ich bei jedem Gang durch's Haus Dinge mit und bringe sie an ihren Platz zurück. Wichtig ist dafür natürlich, dass alles einen festen Platz hat.

Außerdem hilft es mir, mich immer nur einem kleinen Teil zu widmen, statt das ganze Haus auf einmal aufzuräumen und zu säubern. Zum Beispiel putze ich das Waschbecken, wenn ich Zähne putze. Ich miste eine Schublade aus, wenn ich in ihr gerade etwas suche oder zurück lege."


Welche Fehler hast Du bisher auf Deinem Weg zu einem einfach guten Leben gemacht und was hast Du daraus gelernt?

"Es gibt da so ein paar Fallen, in die ich leider immer mal wieder tappe.

Zum Beispiel merke ich oft erst zu spät, dass ich mir zu viel vorgenommen habe. Erst, wenn das Chaos in meinem Kopf zu groß wird und mein Mann sich über meine schlechte Laune beschwert, merke ich, dass der Kalender und die To-do-Liste zu voll sind. Mir hilft es sehr, mir regelmäßig Gedanken darüber zu machen, was meine Prioritäten sind und womit ich meine Zeit verbringen möchte. Wenn ich meine Wochen- und Tagesplanung durchschaue, überlege ich, ob sich meine Prioritäten dort wieder finden. Gegebenenfalls muss ich noch einmal Veränderungen vornehmen, zum Beispiel mehr Pausen einplanen oder Termine absagen.

Dazu gehören aber auch Shopping-Touren, bei denen ich anschließend merke, dass ich das Deko-Teil doch eigentlich nicht brauche oder mir das neue Tuch doch nicht steht. Dann stehe ich da mit Kram, den ich eigentlich nicht brauche, der aber nun irgendwie verwaltet werden will. Hier hilft es mir, Shopping-Touren ohne feste Einkaufsliste zu vermeiden. Wenn ich meine, etwas dringend zu brauchen, schreibe ich es auf eine Liste. Nach etwa einem Monat überlege ich noch einmal, ob ich es wirklich brauche. Manche Fehlkäufe erledigen sich dadurch von selbst."


Welche gute Gewohnheit hat Deinen Alltag am meisten positiv verändert?

"Eine große Sache ist für mich auf jeden Fall die Vereinfachung meines Kleiderschrankes. Ich habe radikal alles raus geschmissen, was nicht mehr tragbar ist, mir nicht (mehr) gefällt, ich selten getragen habe oder sich nicht kombinieren lässt. Ich habe nun nur noch Teile in meinem Schrank, die ich wirklich mag und die sich miteinander kombinieren lassen. Auf eine bestimmte Anzahl möchte ich mich dabei nicht festlegen, aber mein Schrankinhalt ist sehr deutlich geschrumpft.

Ich kaufe nur gezielt neue Teile, wenn ich etwas bestimmtes brauche und achte dann auf Qualität. Die Vorteile sind für mich: Ich verbringe deutlich weniger Zeit damit, heraus zu suchen, was ich tragen möchte. Außerdem gebe ich insgesamt weniger Geld für Klamotten aus, die einzelnen Teile haben eine wesentlich längere Lebensdauer in meinem Schrank und auch beim Reisen ist das Packen wesentlich schneller erledigt."


Deine drei wichtigsten Tipps für ein einfach gutes Leben?

  • "Finde heraus, was dein Leben wertvoll und gut macht. Was brauchst du mehr als alles andere? Erstelle eine Liste mit deinen Prioritäten und sorge dann dafür, dass dafür ganz viel Platz in deinem Leben ist.
  • Lerne, Entscheidungen zu treffen und zu Dingen, die nicht auf deiner Liste stehen, „Nein“ zu sagen. Das braucht verdammt viel Mut, aber es lohnt sich!
  • Vereinfache dein Leben und werfe Ballast ab. Das kann bedeuten, dich von Dingen zu trennen, die du nicht brauchst, Sorgen abzuwerfen, die deine Energie rauben oder dich von Menschen zu trennen, die dir nicht gut tun."

Gibt es Bereiche, an denen Du selbst noch arbeitest?

"Oh ja, ich arbeite an fast allen Bereichen. Mein Blog dient mir dabei als kleine Erinnerungshilfe. Zum einen hilft er mir dabei, mich immer nur auf einen Punkt zu konzentrieren und nicht an mehreren Baustellen gleichzeitig zu werkeln. Ich tendiere dazu, mir zu viel auf einmal vorzunehmen, wenn ich Handlungsbedarf sehe. Und dann kann ich eigentlich nur scheitern.

Zum anderen halte ich auf dem Blog meine Ideen und Erfahrungen fest. Manchmal finde ich andere Blogger, die selber zu dem Thema geschrieben haben. Oder ich bekomme Mails oder Kommentare mit Tipps von Lesern. Das motiviert mich dann zusätzlich.

Momentan ist das Thema Vereinbarkeit sehr groß bei uns. Trotz Jobs wollen wir genug Zeit als Familie haben und den Bedürfnissen aller gerecht werden. Nicht so einfach."


Welche Themen erwarten uns in den nächsten Wochen und Monaten auf Deinem Blog?

"Auf meinem Blog schreibe ich immer über die Dinge und Themen, die mich gerade beschäftigen. Ich werde sicherlich über unseren Versuch schreiben, die (Vor-) Weihnachtszeit besinnliche und minimalistische zu gestalten. Ich finde es so absurd, dass alle von einer besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit sprechen, sich die Zeit dann aber wie von selbst nach und nach füllt und dann noch der Back-, Kauf- und Harmonie-Druck dazu kommen. Ich hoffe sehr, dass es uns dieses Jahr gelingt, aus dem Rad auszusteigen. Zumindest soweit, wie es gut für uns ist."

Liebe Nicole, vielen Dank für die Einladung zu deiner Blogreihe!


Liebe Sonja, ich danke Dir, dass Du Teil dieser Interviewreihe bist!